Thomas Jänsch - Triathlon


 

 

Wettkampfbericht Langdistanz Köln 2013


Nach der Mitteldistanz in  Wiesbaden fühlte ich mich relativ gut. Die Wehwehchen wurden auch weniger. Einzige wesentliche Behinderung war der lädierte Finger nach einem Radsturz, der mir in Wiesbaden noch etwas zu schaffen machte. In der darauf folgenden Woche konsultierte ich dann doch mal einen Arzt, der nach röntgen feststellte, dass eine Ecke vom Fingerknochen abgebrochen ist. So richtig machen könne man da nichts, Belastung wäre jedoch in Ordnung und das dauert eben seine Zeit. So entschloss ich mich, die vorhandene Form für die Langdistanz in Köln als Saisonabschluss nutzen.

Am Samstagmorgen des 31.8.2013 drehte ich noch eine kurze Runde auf dem Rad mit einer anschließenden Aktivierung der Laufmuskulatur, um dann am späten Samstagnachmittag in Köln anzureisen. Zuerst checkte ich in der Unterkunft ein, um danach am Fühlinger See die Startunterlagen abzuholen. Der liegt am nördlichen Stadtrand von Köln. Hier wird auf der Regattabahn geschwommen und aufs Rad gewechselt. Die Kurzstreckenwettkämpfe des Tages waren abgeschlossen, so dass hier nicht mehr viel los war. Ich entschloss mich, erst am nächsten Morgen das Rad einzuchecken, um in aller Ruhe meine Ausrüstung in der Unterkunft vorzubereiten.

Sonntag klingelte 4:30 Uhr der Wecker. Etwas gegessen, auch eine Ladung Salz eingenommen, und frisch gemacht, dann fuhr ich zum Startbereich. Ich hatte genug Zeit, bereitete mich entspannt vor, traf beim Auf- und Abschlendern die Brüder Fritze vom Gnu-Team sowie Heiko und Alexander Kummer vom TV-Dresden. Ich durfte 7.00 Uhr, fünf Minuten vor dem Hauptfeld, mit den Profis und Top-Athleten als Sub-9-Anwärter starten. Für das Schwimmen fühlte ich mich gerüstet. Die Trainingseinheiten in der Talsperre Kriebstein fühlten sich gut an, wobei das Tempo mangels konkreter Marken schwer einzuschätzen ist. Nach dem Start sah ich nur noch kurze Zeit Füße vor mir, dann war ich allein. Das war auch so zu erwarten. Ich habe mir gedacht, im Hauptfeld wird es auch 55min-Schwimmer geben. Wenn die mich erst an der 1,9km-Wende überholen, bin ich im Plan für eine Schwimmzeit von 1h05min. Kurz vor der Wende wurde ich überholt, also alles im Rahmen der Hoffnungen. Leider meldeten sich kurz darauf die ersten Krampfanzeichen in den Beinen, insbesondere den Waden. Irgendwas stimmt da mit mir nicht. Die Freiwassereinheiten in der Talsperre waren auch lang und intensiv und ich hatte keine Probleme mit Krämpfen. In der Wettkampfwoche habe ich ordentlich getrunken und Kohlenhydrate aufgefüllt. Ich habe verstärkt Mineralien, Magnesium und insbesondere Salz in rauen Mengen zu mir genommen. Ich war praktisch von innen gepökelt. Die Waden dehnte ich wegen der vergangenen Sehnenprobleme mehrfach täglich. Beim Schwimmen sind die Beine und Füße entspannt. Es war wie es war, die Krämpfe nahmen zu, aber bei weitem nicht so dramatisch wie in Moritzburg. Als ich dann endlich den erlösenden Schwimmausstieg geschafft hatte, entsetze mich die Zeit von knappen 73 Minuten schon etwas. Meine Sub-9-Hoffnungen schwanden. Falls jemand diese Zeilen liest und den erlösenden Tipp für die Problematik hat, bitte melden. Sei es drum, ist ja keine ungewohnte Situation für mich.

Um eine Chance auf mein Wettkampfziel zu wahren, musste ich jedoch wie gewöhnlich eine Hop oder top Strategie auf dem Rad wählen. Die Beine waren gut, das Streckenprofil kommt mir entgegen. Die reichlich 300 Höhenmeter auf der Radstrecke ergeben sich im Wesentlichen aus Brücken und Straßenunterführungen. Zunächst führte die Radstrecke in die Stadtmitte von Köln an der zweiten Wechselzone vorbei, um danach noch drei große Runden zu absolvieren. Von Runde zu Runde nahm der Wind zu und mein Puls ab. Auch meine Geschwindigkeit fiel, aber nicht im Verhältnis zu meinem Puls. Ich bemühte mich, weiterhin Druck auf die Pedale zu bringen. So konzentrierte ich mich immer auf in der Ferne vor mir liegende Radfahrer und visierte den Überholvorgang an. Ziel waren die Startnummern zwischen 20 und 29, dass waren die Sub-9-Anwärter. Ich achtete auf regelmäßige Energiezufuhr in Form von Gels und Flüssigkeitsversorgung mittels isotonischen Getränks. Das Gel vom Veranstalter war anfangs etwas ungewöhnlich, sehr zähflüssig, eher eine Mischung aus konventionellem Gel und Riegel, was ich jedoch als angenehm empfand. Beim ersten Schluck aus der gereichten Trinkflasche dachte ich, da hat jemand seine Zigarette drin ausgedrückt. Aber die haben alle so geschmeckt, ziemlich rauchig. Das war für mein Empfinden eher unangenehm. Von Beginn an nahm ich regelmäßig etwas Salz zu mir. In Runde drei konnte ich die ersten Teilnehmer aus dem o.g. Nummernbereich überholen und hoffte damit, wieder in den Plan zu kommen. Nach reichlich 4h34min stieg ich vom Rad. Laut Veranstalter waren es aufgrund einer Baustelle bedingten Streckenänderung 177km Radkilometer.

Nun begann der spannende Teil für den Tag, wie lang und in welchem Tempo konnte ich durchhalten. Drei Runden sind zu laufen. Nennenswerte Erhöhungen sind die Brücken über den Rhein. Allerdings drücken einmal Serpentinen von der Brücke runter zur Uferpromenade das Tempo und stören den Lauffluss, anderseits eine Wendeltreppe nach oben auf die Brücke gegen Rundenende. In Runde eins bemühte ich mich bewusst um Tempo und hatte sie nach reichlich einer Stunde geschafft. Ähnlich wie auf dem Rad ging es auch in diesem Rennabschnitt  kontinuierlich abwärts. Runde zwei dauerte schon etwas länger. Das Tempo konnte ich nicht mehr bestimmen, es hat sich ergeben. Wesentlich war für mich fortwährende Energie- und Flüssigkeitszufuhr mit Gels und Iso sowie Salz. In der zweiten Runde gab ich den letzten Hoffnungsschimmer an eine Zeit unter 9 Stunden auf. Jetzt wollte ich nur noch solide ins Ziel kommen. Und wie so häufig in dieser Phase des Rennens fragte ich mich, warum ich mir so was antue. Die letzte Runde war ich im Durchhaltemodus. Noch einmal musste ich mich am Geländer die Wendeltreppe hochziehen. Nach 9h07min45s überquerte ich die erlösende Ziellinie. Das bedeute den Sieg in der Altersklasse und Rang 9 insgesamt. Damit bin ich in diesem Starterfeld sehr zufrieden. Ich fuhr die 5. schnellste Radzeit und konnte sogar die 7. beste Laufzeit erreichen.

Meine Hoffnungen auf Sub-9 habe ich noch nicht aufgegeben. Zukünftig werde ich meine Sub-9-Planungen auf einer Schwimmzeit von 1h15min aufbauen. Sollte ich dan eher aus dem Wasser kommen, ist das Bonus für den Rest. winkAuf dem Rad sehe ich noch ein bisschen Potential und beim Laufen sogar noch etwas mehr. Die Hoffnung stirbt zuletzt.