Thomas Jänsch - Triathlon


Wettkampfbericht Ironman Wales 2012


Am Donnerstagabend, 13.9.12, holten mich Andreas Bunk und Toni Boitz von zu Hause ab. Beide, ebenfalls ambitionierte Läufer und Triathleten, begleiteten mich auf meiner Wettkampfreise zum Ironman Wales. Für mich war die Gesellschaft der beiden sehr angenehm und die Englischkenntnisse von Toni machten vieles einfacher. 21.45 Uhr war Abflug am Flughafen Leipzig, um mit Ryanair nach London-Stansted  zu fliegen. Dort angekommen organisierten wir zunächst den gebuchten Mietwagen und setzten unsere Reise gegen 24.00 Uhr Ortszeit nach Wales fort. Am frühen Morgen, auf der mit einer Vielzahl an Kreisverkehren gespickten Anfahrt hatten wir uns zweimal verfahren, trafen wir an unserer Pension „Lovesgrove Country Guest House“ bei Pembroke ein. Die Unterkunft ist zu empfehlen, einfach und preiswert mit freundlichem Service. Bis zum späten Vormittag holten wir etwas Schlaf nach, um uns gegen Mittag mit Alexander Kunze, einem sehr guten Triathleten aus Limbach-O., zu treffen. Er war mit seiner Familie im Wohnmobil angereist.

Gemeinsam fuhren wir mit dem Auto die Radstrecke ab. Zunächst verlief diese wellig. Der Wind blies stark und überwiegend von vorn.  Dann wurde es bergiger. Die zu fahrenden Nebenstraßen waren teilweise sehr eng, dass zwei Autos nicht nebeneinander passten. Der Asphalt war häufig sehr rau und hoppelig. Einfach sollte diese Aufgabe nicht werden, aber bis hier war alles im Rahmen der Erwartungen. Bekannte Triathleten hatten mich auf diese Verhältnisse im Vorfeld hingewiesen.  Jedoch auch darauf, dass die Radstrecke nicht die ausgeschriebenen 1800 Höhenmeter hat, sondern deutlich mehr. Diese Befürchtung erhärtete sich im weiteren Verlauf unserer Streckenbesichtigung. Die Radstrecke wird in zwei Runden gefahren, wobei die erste Runde länger ist. Auf dem Teil, wo sich beide Runden decken, wurde es bergig, fast nur hoch und runter. Für mich als relativ großen und schweren Athleten ein objektiver Nachteil. Mein Respekt vor dem Radabschnitt stieg.

Im Anschluss an die Streckenbesichtigung fuhren wir zur Wettkampfeinweisung und anschließenden Pasta-Party. Starker Wind und Regen wurden für den Sonntag prognostiziert. Das Angebot der Pasta-Party kann als übersichtlich bezeichnet werden. Nudeln mit zwei Sorten Soße und Kuchen. Für 1500 Athleten und deren Begleiter gab es drei Essenausgaben. Dementsprechend lang waren die Wartezeiten. Wenn man nicht schnell mit essen war, wurde es für die zweite Portion knapp, da die Ausgaben früh reduziert (damit wieder lange Schlange) und geschlossen wurden. Bei 550€ Startgebühr gab das meiner Sympathie für die Marke Ironman den ersten Dämpfer.

Am Samstag fuhr ich die 15 km Strecke von unserer Pension zum Start-Ziel-Bereich zur letzten Aktivierung mit dem Rad und schloss einen kurzen Lauf von ca. zehn Minuten an. Dann checkte ich das Rad und die Ausrüstung für den Wettkampf ein. Im Anschluss bummelten wir noch etwas durch Tenby und besichtigten den Strand des Schwimmstarts. Dabei lernte ich auch den Triathlonprofi Christian Ritter als netten Kerl kennen.

Am Sonntag, Wettkampftag, läutete 4.00 das Telefon zum Wecken. Kleines Frühstück, etwas frisch machen, dann fuhren wir zum Wettkampfort. Beim Wechselgarten eingetroffen war es zwar noch dunkel, jedoch schon sehr lebhaft. Ich kontrollierte das Rad und brachte meine Reservewettkampfverpflegung von Ultra Sports an. Dann noch Neo anziehen und nun ging ich mit meinen zwei Betreuern und Alexander Kunze zum ca. einen Kilometer entfernten Schwimmstart. Um an den Strand zu kommen, mussten wir einen schmalen, asphaltierten Weg in Serpentinen runter laufen. Davor stauten sich die Athleten, so dass wir beide erst gute zehn Minuten vor dem Start am Wasser ankamen. Mit einschwimmen war da nicht mehr viel. Kurz im 16 Grad Celsius kalten Wasser geplanscht und dann in die wartende Menge der Athleten am Schwimmstart eingetaucht. Ich stellte mich relativ weit vor, ca. in die 5. Reihe. Ich dachte mir, dass hier das Gedrängel im Wasser überschaubar wäre. Die guten Schwimmer sind schnell weg, die anderen müssen erst mal ins Wasser laufen. Nach dem pünktlich um 7.00 Uhr erfolgten Startschuss war dem auch so. Die Profis bekamen zehn Meter Vorsprung, um ihren Schwimmpart unter sich auszumachen. Ich war relativ schnell in Schwimmlage. Bis zur ersten und zweiten Boje war es eng, aber auch nicht enger als bei regionalen Events mit 100 Teilnehmern. Die Prügelei hielt sich in Grenzen. Ich fand meinen Schwimmrhythmus, kostete ab und an ein wenig salziges Wasser. Das Feld zog sich auch in die Breite, so dass zwar immer reichlich Schwimmer um mich waren und auch genug an mir vorbei schwammen, aber ich konnte mein Tempo schwimmen. Dass das nicht konkurrenzfähig ist, ist mir klar. Hier liegt wohl die schwerste Baustelle bis zur nächsten Saison. An den Bojen wurde es wieder eng und das Tempo ging dadurch raus. Der geringe Wellengang behinderte nicht. Lediglich das kalte Wasser könnte die aufkeimenden Krämpfe in den Waden in der zweiten Schwimmrunde nach dem Landgang begünstigt haben. Nach einer Stunde und sechs Minuten erreichte ich das zweite Mal festen Boden unter den Füßen. Diese Zeit lag im Rahmen meiner derzeitigen Möglichkeiten. Als 61ter meiner Alterklasse und 541ter insgesamt verließ ich das Wasser und kämpfte mich durch die Neoprenanzug aus- und Schuh anziehenden Athleten auf dem Serpentinenweg nach oben zur Straße. Am Geländer hatten die Triathleten Schuhbeutel befestigt, um den Weg zum Wechselgarten nicht barfuß laufen zu müssen. Mein Beutel hing fast ganz oben. In dieser Phase eines Rennens Rückstand gewohnt, begann ich schon auf dem Weg zum Wechselgarten mit Überholen. Im Wechselzelt war das Gedrängel groß. Ich nahm Helm und Nummernband aus dem Beutel, stopfte den Neo hinein und rannte zum Fahrrad. Viele Athleten zogen sich wärmer an, da die Außentemperatur die des Wassers kaum überschritt.

Auf dem Rad machte ich sofort Druck und hatte einen deutlichen Geschwindigkeitsüberschuss gegenüber der Menge der Radfahrer. Zunächst kam der wellige Abschnitt. Der Wind wehte sehr stark von vorn, zum Glück war es noch trocken. Dann kamen zum Wind die Berge. Je weiter ich mich nach vorn arbeitete, desto besser wurden auch die Athleten, so dass die Überholvorgänge weniger wurden. Bergauf konnte ich teilweise mithalten, wurde wieder ein- und überholt, konnte aber auch überholen. Auf den wenigen Flachpassagen und bergab machte ich wieder Boden gut. Das Spiel setzte sich eine ganze Weile fort, mit zum Teil den gleichen Fahrern. Die Nebenstraßen scheinen tiefer zu sein als die Felder daneben und häufig führen Hecken an den Seiten entlang. Sind diese unterbrochen, gab es heftige Windböen wo auch ich den Lenker ordentlich festhalten musste. Auf dem zweiten Teil der ersten Radrunde und der entsprechenden zweiten Radrunde geht es fast nur bergauf oder bergab. Mir liegende Drückerpassagen sind kaum vorhanden. Die Berge waren zum Teil nach oben wie unten steil, schmal und kurvig. Bergab musste ich oft bremsen und somit Energie verschenken. Kurz vor Ende der zweiten Radrunde, bevor es nach Tenby runter geht, ist noch ein saftiger Anstieg zu bewältigen. Dort standen viele Zuschauer am Streckenrand und feuerten die Athleten an. Das hat auch mich beflügelt. Als ich dann über die Kuppe war und schalten wollte, stellte ich fest, dass ich auf dem großen Blatt hoch gestampft bin. Die erste Runde absolvierte ich in ca. 3h 20min. Zu Beginn der zweiten Runde, aus Tenby raus, ist wieder der wellige Abschnitt mit starkem Gegenwind zu absolvieren. Hier hatte ich eine Schwächephase. Ich bekam keinen Druck auf die Pedale und wurde sogar überholt. Könnte sein, dass mir der Anstieg auf dem großen Blatt die fehlenden Körner gezogen hat. Als dann wieder die Berge begannen, konnte ich wieder mithalten. In der zweiten Radrunde begann es mit regnen. Der eine oder andere Fahrer fuhr sehr vorsichtig die Berge runter. Überholen war dann auf den kurvigen Abschnitten auch nicht möglich, vorausgesetzt man wollte sich und andere nicht gefährden. Die letzten 30 km mit den steilen Anstiegen und Abfahrten auf schmalen unübersichtlichen Straßen konnte ich wieder etwas Boden gut machen. Nach 5h 37min erreichte ich den Wechsel zum Lauf, ich war sieben Minuten langsamer als geplant. Auf dem Rad konnte ich mich auf Rang 12 meiner Alterklasse und 97ten Gesamtrang verbessern. Anstatt der ausgeschriebenen 1800 Höhenmeter auf der Radstrecke waren es tatsächlich 2400 Hm. Die Verpflegungspunkte lagen zum Teil soweit auseinander, dass ich meine Reserveflasche anzapfen und die Reservegels nehmen musste. Auf der Strecke gab es halbe Riegel, keine Gels. Im zweiten Teil nahm ich etwas Salz zu mir, um Krämpfen vorzubeugen. Getrunken habe ich ca. alle 15 Minuten, einen halben Riegel oder ein Gel alle halbe Stunde eingenommen.

Im Zweiteiler hat es mich nach dem einsetzenden Regen etwas gefröstelt, ich habe aber nicht gefroren. Die Berge ziehen schon ganz schön Saft. Da fragte ich mich, wie ich jetzt noch den Marathon durchstehen soll. Aber es ging und es lief für mich richtig gut.

Meine Laufschuhe habe ich nicht mühelos angezogen bekommen. Die Füße und Hände waren kalt und klamm. Aber auch das habe ich geschafft und los auf die Laufstrecke. Diese verläuft nur bergauf oder bergab, mal steiler mal weniger stark. Ein langer Anstieg steht schon kurz nach Beginn des Laufabschnitts an. Wider Erwarten hatte ich für die Verhältnisse ein gutes Laufgefühl und konnte sogar langsam, aber stetig Wettbewerber überholen. Ein Profi lief etwas vor mir, zu erkennen an der niedrigen Startnummer. Durch die fielen Wendepunkte auf der Strecke kann man die Veränderung der eigenen Position ganz gut einschätzten. Ich ging davon aus, dass der Profi schon eine Laufrunde vor mir war, aber der Abstand wurde nur sehr langsam größer. Das motivierte mich schon etwas. Als ich in der ersten Laufrunde wieder durch die Stadtmitte lief, riefen mir Toni und Bunki meine Platzierung in der Altersklasse zu, wobei einige meiner Konkurrenten nur bis zu fünf Minuten Vorsprung hatten. Meine Konzentration beim Lauf lag Schwerpunktmäßig auf der Verpflegung. Jede Station möglichst zwei Becher mit Iso, die nur halb gefüllt sind und von denen auch nicht alles in die Speiseröhre gelangt, trinken und jede zweite Station zusätzlich ein Gel. Energetisch hatte ich keine Probleme. Salz nahm ich vor jeder zweiten Station zu mir. In Runde zwei und drei füllte sich die Strecke. In Runde zwei musste ich kurz das stille Örtchen aufsuchen, auch wenn das Zeitverlust bedeutete. Ab der dritten Runde bekam ich von Andreas und Toni keine Platzierung mehr gesagt. Da dachte ich mir schon, dass es dünn mit der Hawaii-Quali wird. An der Kuppe des langen Anstieges in Runde drei, beim Übergang von Bergauf- zu Bergablauf bekam ich den ersten Krampf im Beinbeuger. Hier musste ich kurz anhalten, bekam das Problem jedoch schnell in Griff. Die vierte Runde war dann ein Kompromiss zwischen Druck machen und fest laufen. Klar tat es weh, aber konditionell hatte ich keine Probleme. Aber es krampfte in den Waden und in den Oberschenkeln vorn und hinten. Ich lief immer an der Kante vom aufkeimenden Krampf bis zu dessen Entfaltung. Zwei Startnummern aus meinem Altersklassenbereich konnte ich am langen Anstieg vor mir sichten. Die wollte ich noch holen und das gelang mir auch. Der Laufabschnitt brachte mich auf Platz 6 meiner Altersklasse und Gesamtrang 69. Ich absolvierte ihn in 3h 9min und bin damit sehr zufrieden. Vermutlich waren es ebenfalls mehr Höhenmeter als die ausgewiesenen 400. Nach 10:03:45 überquerte ich die Ziellinie. Meine Platzierung konnte ich nicht einschätzen, die erfuhr ich am Abend.

Was dann kam, war eines Ironman nicht würdig. Es gab keine Waschgelegenheit. Die Zielverpflegung bestand aus Tee und aus vom Schwein am Spieß abgeschnitten Fleisch in einem Brötchen. Eine Flasche Wasser gab’s noch. Da fühlte ich mich fast etwas unwohl, dass ich zur Zielverpflegung vom Schlosstriathlon in Moritzburg Verbesserungsvorschläge gemacht habe.

Mit dem sportlichen Resultat bin ich sehr zufrieden. Ich hatte schon bessere Platzierung und war unzufriedener. In so einem Feld muss man unter einer Stunde Schwimmen, um mitreden zu können. Ich hoffe, dass ich hier über den Winter etwas verbessern kann. Radleistung war gut, hier hatten andere objektive Vorteile. Läuferisch gibt es auch noch etwas Potential, wobei ich mich in den letzten zwei Jahren deutlich verbessert habe.

Als 6ter in der Alterklasse konnte ich hoffen, dass einer der Athleten vor mir seinen Slot nach Hawaii 2013 nicht beansprucht. Diese Hoffnung hat sich bei der Siegerehrung am Montag nicht erfüllt. Ich hatte dabei die Gelegenheit, mit den Athleten der Platzierungen fünf und zwei meiner Altersklasse zu sprechen. Sie wogen 77 und 67 kg. Somit deren Gelände. Unter diesen Gesichtspunkten erfolgte auch deren Wettkampfwahl. Außerdem ist das Niveau in der Altersklasse deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr wurde der Sieg in der AK 45-49 für knappe 10h 45min vergeben. Ich denke, hätten die ausgeschriebenen Höhenmeter den Tatsachen entsprochen, hätte es mit der Quali geklappt. Ist aber kein Drama, aus heutiger Sicht nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Ob ich für 2013 einen neuen Versuch starte, ist aktuell eher unwahrscheinlich. Ich tendiere dazu, noch eine offene Rechnung zu begleichen.

Am Montag nach der Siegerehrung sah ich mir mit Andreas Bunk und Toni Boitz noch ein paar schöne Flecken der walisischen Landschaft an. Am Dienstag fuhren wir nach dem Frühstück zum Flughafen. Die beiden setzten mich gegen 22:30 Uhr zu Hause ab. Für ihre Begleitung und Unterstützung nochmals vielen Dank.

Zu Hause erwartete mich eine freudige Überraschung. Meine Tochter Sophie hatte einen Kuchen gebacken. Der Eingangsbereich war mit Luftballons und Girlanden geschmückt und ein Plakat mit Willkommensgrüßen hing an der Tür. Da war ich glücklich, wieder zu Hause zu sein.