Thomas Jänsch - Triathlon


Wettkampfbericht BAROCKMAN 2013


Der erste Saisonschwerpunkt, die Langdistanz beim Schlosstriathlon in Moritzburg, stand am 8.6.2013 auf dem Wettkampfplan. Ab 1.10.2012 war mein Training auf diesen Wettkampf ausgerichtet. Bis Februar 2013 lief auch alles planmäßig, um das hoch gestreckte Ziel erreichen zu können. Dann habe ich es mit dem Lauftraining übertrieben und mir eine Achillessehnenreizung eingehandelt. Ich denke, dass der Umfang allein nicht ausschlaggebend war, sondern der erhöhte Umfang in Kombination mit schlechtem Untergrund, insbesondere verschneiten Trampelpfaden. Ab da war der Wurm drin. In den folgenden Monaten bremste mich läuferisch zunächst die Achillessehne aus. Als das Problem halbwegs überstanden schien, kam die Plantarsehne am gleichen Fuß dazu, mit fast noch heftigeren Auswirkungen. Die absolvierten Laufkilometer in dieser Zeit sind für eine Langdistanzvorbereitung kaum erwähnenswert. Mit allen möglichen konservativen und spirituellen Maßnahmen habe ich versucht, den Fuß wettkampfreif zu machen,  was mir mit diesen Mitteln nicht gelang. So ließ ich mir am Montag vor dem Barockman eine Kortisioninjektion in den rechten Fuß geben. Das brachte eine deutliche Linderung der Plantarsehnenbeschwerden, wenn diese auch nicht völlig weg waren. Resultierend waren meine Erwartungen an das Wettkampfresultat gering. Für das Schwimmen und Radfahren fühlte ich mich gewappnet. Laufen wollte ich, solange es der Fuß zuließ und ich durchhalte, was ohne Lauftraining nicht sicher war. Sonst könnte jeder Radfahrer problemlos einen Marathon rennen. Bis Mittwochabend war unsicher, ob das Rennen aufgrund der Hochwasserlage in Sachsen überhaupt stattfindet.

Bei idealen äußeren Bedingungen stand ich kurz vor 7.00 Uhr im Schlossteich Moritzburg und wartete auf den startauslösenden  Kanonendonner. In das Schwimmtraining habe ich in der Vorbereitung viel Zeit investiert und mir von Stev Theloke helfen lassen, meine Technik zu verbessern. Die Zeiten sind im Becken auch besser geworden. So sollte es nun auch im Wettkampf werden. Aufgrund des Wetters in den Tagen und Wochen zuvor hatte ich im Gegensatz zu den Vorjahren noch kein Freiwassertraining absolviert. Schon kurz nach dem Start hatte ich erste Krampfanzeichen in den Waden. In der ersten Schwimmrunde hielten sich die Probleme noch in Grenzen. Ich musste ab und an die Füße anziehen, um die Waden zu dehnen. Es reichte aber, um einige Schwimmer hinter mir herzuziehen, wie ich zu Beginn der zweiten Runde feststellte. Die Krämpfe wurden heftiger, ich musste immer längere Abschnitte mit angezogenen Füßen schwimmen und die Mitstreiter schwammen von dannen. Als ich mich dann ein Brustschwimmer mit Quitscheente auf dem Kopf überholte, musste ich psychisch stark sein. Ungefähr Hälfte zweite Runde wurden die Krämpfe auch in den Oberschenkeln so stark, dass ich mich kurzzeitig auf den Rücken legte, um die Beine zu beugen und zu lockern. Ab da ging es nur noch darum, auf regulären Weg aus dem Wasser zu kommen. Nach 1:13:02 war die Tortur endlich vorbei. Am neuen, erstmalig getragenen, von aquaman und triathlon.de gesponserten aDn-Neoprenanzug hat’s nicht gelegen. In dem fühlte ich mich wohl. Auftrieb ist gut und der Schulterbereich flexibel. Was ich auch bemerkenswert fand, der passt bei Auswahl nach Größe und Gewicht vom Papier weg.

Der Wechsel aufs Rad funktionierte zügig und gut. In der ersten Runde zügelte ich mich ständig, um meinen Puls runter zu bekommen. Trotzdem war das Tempo ganz ordentlich, es war ungefähr ein 40er Schnitt. Aufgrund der Krämpfe beim Schwimmen begann ich schon in der ersten Runde Salz zu mir zunehmen. Zu Beginn konnte ich häufig andere Athleten überholen. Dann wurde es teilweise recht einsam auf der Strecke. So suchte ich voraus nach Radfahren und sammelte einen nach dem anderen ein. Die Verpflegung klappte gut. In Moritzburg reicht ein Flaschenhalter. An jeder Station ein Gel und eine Flasche greifen und bis zur nächsten Station einnehmen. Zunehmend spürte ich meinen linken Beinbeuger, der mir seit zwei Monaten bei hohem Raddruck Schmerzsignale sendet. Die sind zwar nicht dramatisch, aber es sind dann eben nur 97 Prozent die an der Kurbel ankommen und keine 100. In Runde vier und fünf viel es mir schwer, das Tempo aufrecht zu erhalten. Noch nicht mal so sehr wegen körperlicher Probleme, sondern wegen der Monotonie. Das änderte sich in Radrunde 6, als die Halbdistanzler mit auf die Strecke kamen. Es gab wieder mehr Möglichkeiten zum Überholen. Kurz nach einem Anstieg im ersten Abschnitt der Runde überholte mich ein Staffelfahrer. Das riss mich aus meinem Trott. Ich wollte dran bleiben. Bergab und in der Ebene wurde er zu langsam für mich, da überholte ich. An einem folgenden Anstieg zog er zwar noch mal vorbei, dann wiederholte sich das Spiel und ich war weg. Klar, am Anstieg hat mir dann doch etwas der Bums in den Beinen gefehlt und der Kollege war noch frisch. Als ich von der Runde auf den Zubringer zum Start- und Zielbereich weiterfuhr, holte ich zwei Athleten ein, mit denen ich den Wechselbereich erreichte. Den Radabschnitt absolvierte ich in 4:46:34. Das ist gut, wenn auch nicht berauschend. Hätte schon etwas schneller sein sollen.

Die zwei oben Genannten gingen mit etwas Vorsprung auf die Laufstrecke, da ich für die Schnürsenkel etwas mehr Zeit benötigte. In der Vergangenheit hatte ich bei jeder Langdistanz Zehnägel eingebüsst, da die Füße durch die Gummischnürsenkel mehr in den Schuhen arbeiten. In Wales hat es funktioniert und dieses Mal auch, keine Zehnägelverluste. Da nehme ich mir die halbe Minute mehr Zeit für den Wechsel. Nach paar Minuten fühlte sich das Laufen gut an. Tempo um die 4:05 min/km ordentlich bei gefühlt moderater Belastung. Aber nun begann der spannende Teil des Tages. Wie lange hält der Fuß und wie lange halte ich ohne Lauftrainingskilometer durch. Gegen Ende der ersten Runde holte ich einen der vor mir liegenden Mitstreiter ein, der Vorsprung des anderen blieb weitestgehend konstant. Der Überholte blieb an mir dran. Ab Hälfte Runde zwei fing es an, schwer zu werden. Der Kollege zog an mir vorbei, baute seinen Vorsprung aus und ich verlor ihn aus den Augen.

Ich konzentrierte ich mich auf das Aufsetzen des Fußes, da die Sehne je nach Fußhaltung mehr oder weniger zu spüren war. Ich nahm weiterhin regelmäßig Salz zu mir. Weder beim Radfahren noch beim Lauf hatte ich Anzeichen für Krämpfe. Ab Runde drei ging mir der Gedanke ans Aufhören durch den Kopf. Ich hatte mir vorgenommen auszusteigen, wenn der Fuß zu stark schmerzen würde. Tat er aber nicht. Manchmal dachte ich, jetzt könnte er aber weher tun, damit ich aufhören kann. Ab Runde vier war ich schon näher am Ziel als beim Beginn. Ich sagte mir, nur nicht anhalten, immer laufen, egal welches Tempo. Ab Runde fünf fing ich an die Kilometer runterzuzählen, nur noch 14km. Dann nur noch 12km, eine lächerliche Strecke unter normalen Umständen, die ich vor dem Frühstück laufe. Auf den letzten 800m lief meine drittälteste Tochter, mein größter Fan, neben mir her. Sie nahm ich dann Hand haltend mit über die Ziellinie. Für den Lauf standen 3:21:58 zu Buche. Angesichts der Vorbereitung bin ich mit diesem Abschnitt am zufriedensten, ebenso mit der Gesamtzeit von 9:26:05. Insgesamt reichte es für einen 5. Gesamtrang, Rang 1 in der Alterklasse und den Sachsenmeistertitel über die Langdistanz. Das Warten und Hoffen auf ein perfektes Rennen geht weiter.