Thomas Jänsch - Triathlon


Knappenman XXL 2015


Da meine Bewegungsfähigkeit am Tag nach dem Knappenman und damit bedingt mein Aktionsradius erheblich eingeschränkt ist, habe ich Zeit und Muße, um 2015 wenigsten einen Wettkampfbericht zu schreiben. Nach dem Knappenman 2014 hatte ich mir vorgenommen, den Trainingsumfang zugunsten von Familie und Arbeit zu reduzieren. Eine Langdistanz hatte ich für 2015 nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen. So trainierte ich bis Juli 2015 vor mich hin. Dann packte mich doch wieder der Reiz, eine Langdistanz 2015 zu absolvieren. Mit den dazugehörigen Erfahrungen aus den letzten Jahren muss das schon irgendwie ein Ansatz von Sadomasochismus sein.  Zwei Trainingsblöcke konnte ich noch Langdistanz-spezifisch trainieren, um Ende August einen Wettkampf zu absolvieren. Die Trainingsergebnisse wartete ich noch ab, um die definitive Entscheidung zu treffen. Der Knappenman XXL bot sich an. Der Veranstaltungsort ist nicht so weit weg von zu Hause, die Startgebühr noch bezahlbar und die Anmeldung auf der Langdistanz gewöhnlich bis zum Meldeschluss möglich.

Die Umfänge und Trainingsergebnisse der letzten zwei Monate waren gut. Allerdings habe ich im Gegensatz zu den Vorjahren wenige lange Einheiten auf dem Rad (>=5h) und in den Laufschuhen (>=2,5h) absolviert, tendenziell kürzer und intensiver trainiert. Insofern war das Training eher für die Mitteldistanz geeignet.

Vergleich Trainingskilometer 2014 und 2015

 

schwimmen

Rad fahren

Laufen

1.10.13-31.8.14

485

9682

1698

1.10.14-31.8.15

395

6016

1478

Ohne Wettkampfkilometer

Wettkampf

Beim Abholen der Startunterlagen am Vorabend gab es die in der Ausschreibung beschriebenen sechs Dextro-Gels. Allerdings wurde dann entgegen der Ausschreibung bei der Wettkampfbesprechung gesagt, dass am Radverpflegungspunkt keine Gels gereicht werden. Da ich mich immer auf die Wettkampfverpflegung verlasse, war das für mich ein Problem. Mit sechs Gels komme ich im Wettkampf nicht über knappe 180 km. Für mich hat Patrick Thomschke vom Veranstalter durch Sonderausgabe von weiteren sechs Gels das Problem unbürokratisch gelöst. Am Wettkampfmorgen waren die Temperaturen schon angenehm warm, allerdings die Sicht auf dem See durch Morgennebel stark reduziert. Die Bojen waren nicht zu sehen. Für mich sollte das kein Problem sein, da ich immer anderen hinterher schwimme. Geschwommen wurden zwei Runden je 1,9 km mit kurzem Landgang. In der ersten Runde sortierte ich mich am Ende einer größeren Gruppe ein. Allerdings musste ich schon zu Beginn der zweiten Runde (wie ich später erfuhr stand diese bis kurz vor deren Beginn wegen des Nebels und der eingeschränkten Sicht auf der Kippe) die Gruppe ziehen lassen, nachdem die sich gegen Ende der ersten Runde andeutenden Wadenkrämpfe ernsthafter wurden. Die halbe Runde konnte ich noch mit zwei ebenfalls abfallenden Schwimmern absolvieren, dann musste ich wegen der immer wieder auftretenden Krämpfe auch diese ziehen lassen. Ich war froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Der Blick auf die Uhr, die  1 h 07 min zeigte, hellte meine Stimmung wieder auf. Ich hatte es schlimmer erwartet, war damit aber nur etwas langsamer als im Vorjahr. Auf dem Rad machte ich von Beginn an Plätze gut. Ich fuhr zügig, mit etwas Zurückhaltung. Vielleicht etwas zu aggressiv, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Torsten Pawel, einer der Mitfavoriten des Rennens, schien besser in Form zu sein als im Vorjahr. Es dauerte deutlich länger, ihn einzuholen. Ende der dritten Radrunde zu je knappen 30 km konnte ich den bis dahin Führenden einholen und die Spitze des Feldes übernehmen. Dieser hat sich bis dahin scheinbar zurückgehalten, denn nach einigen Kilometern fuhr er wieder an mir vorbei. In der zweiten Hälfte der vierten Runde rollerte ich hinterher. Ab dann fuhren wir immer mal wieder abwechselnd in Führung. In der sechsten und letzten Runde auf dem Rad musste ich mich anstrengen, um nicht abreißen zu lassen. Gemeinsam fuhren wir nach reichlich viereinhalb Stunden in die Wechselzone. Damit war ich auf dem Rad sogar paar Sekunden schneller als im Vorjahr. Damit hatte ich nicht gerechnet, da ich während des Radabschnittes immer wieder Krämpfe im Bereich des linken Hüftgelenkes hatte. Ich wechselte langsamer als mein Mitstreiter, wodurch zunächst eine Lücke zwischen uns nach dem Laufstart klaffte. Ich lief wieder locker zügig an. Schon nach ca. 3 km konnte ich aufschließen und übernahm die Führung. Auf einem gegenläufigen Abschnitt mit Wendepunkt zur Verlängerung der  Laufrunde um den See, ungefähr in der Mitte der Laufrunde, kann man den Abstand seiner unmittelbaren Verfolger sehen. Eine kleine Lücke konnte ich schon reißen. Mitte der zweiten von vier Laufrunden zu je 10,5 km konnte ich meinen Vorsprung noch etwas ausbauen, allerdings schob sich Torsten Pawel näher an meinen Verfolger ran. Ab Ende der zweiten Laufrunde bekam ich Probleme mit der Energiezufuhr in Form von Gels und Iso und stellte auf Cola um. Ab der dritten Runde wurde es schwer. Das ist grundsätzlich normal. Die Frage ist, ob man gegenhalten kann. Dafür haben mir für diesen Wettbewerb die langen Einheiten auf dem Rad und in den Laufschuhen gefehlt. Die ersten Krämpfe in den Beinbeugern traten auf und ich musste Gehabschnitte einlegen. Das Tempo wurde langsamer, auch energetisch hatte ich Probleme. Klar hätte ich vielleicht langsamer losrennen können, aber wie geschrieben, wer nicht wagt der nicht gewinnt. Aber wer nicht ausreichend trainiert, der eben auch nicht. Ende der dritten Laufrunde überholte mich erst der spätere Sieger, Christian Schröter, kurz danach Torsten Pawel. Die nächsten 8 km ging es mir richtig schlecht. Immer wieder Krämpfe und Gehpausen, der Tank leer. Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ans Aufhören ertappt. Aber erstens lag ich immer noch auf Platz drei, zweitens waren es ja nur noch knappe 10 km, die ich auch gehen könnte und drittens hatte ich noch nie aufgegeben. Also raffte ich mich immer wieder auf und schlurfte bis zum nächsten Krampf weiter. Die Oberschenkel taten bei jedem Schritt weh. An den Verpflegungsstationen ging ich. Nach der letzten Verpflegungsstation, reichlich einen Kilometer vorm Ziel, schaute ich das erste Mal seit dem Schwimmausstieg auf meiner Uhr nach der Wettkampfzeit. Ich hatte mit neun Stunden irgendwas gerechnet, aber die Uhr zeigte 8 h 53 min. Damit war noch eine Zeit unter neun Stunden möglich. Ich riss mich zusammen und versuchte nochmal, einen ernsthaften Laufschritt an den Tag zu legen. Das schien auch zu gelingen, denn ich hörte von den Zuschauern mehrfach ein „toller Endspurt“ oder so ähnlich. Eben alles nur Kopfsache, zumindest für einen begrenzten Zeitraum. Als ich den erlösenden Zielbogen sah, zeigte die Uhr 8 h 58 min und sec. an, so dass ich die letzten 20 m in Ziel spazierte. Mit der sub9 und dem dritten Platz im Ergebnis bin ich angesichts der reduzierten Trainingsumfänge sehr zufrieden. Glückwunsch an Christian Schröter und Torsten Pawel. Lob auch an die Veranstalter für den gut organisierten Wettkampf und Dank an die Helfer, die ihre Freizeit einsetzten, um uns Athleten solch eine Veranstaltung zu ermöglichen. Auf mich machten die Helfer an den Verpflegungsständen einen sehr engagierten Eindruck. Sport frei und vielleicht bis zum Knappenman 2016.