Thomas Jänsch - Triathlon


Knappenman XXL 2014


Es ist vollbracht. Seit drei Jahren bin ich dran an dieser Marke. Am 30.8.14 konnte ich die SUB-9 bei der Langdistanz beim Knappenman unterbieten.

Der erste Versuch 2014 fand in Roth statt. Das ging ordentlich daneben. Im Ziel habe ich gezweifelt, ob ich mir eine Langdistanz wieder antue. Aber wie es so ist, schon am nächsten Tag keimte der Gedanke, 2014 einen weiteren Versuch zu starten. Ich bildete mir ein, vom Training her gewappnet zu sein. Der Knappenman am Dreiweibener See drängte sich regelrecht auf. Die Strecke ist flach, was mir sehr gelegen kommt. Es ist nicht allzu weit weg von zu Hause und die Anmeldelisten gestatteten eine kurzfristige Entscheidung. Die Gefahr, noch einen Wettkampftag mit extremer Hitze deutlich über 30 Grad zu erleben war gering. In einsamen Selbstgesprächen mit meinem Trainer hatte ich neben diesem Grund die nicht ausreichende Regeneration von den intensiven und umfangreichen Einheiten vor Roth als Ursache für mein Wettkampfresultat ermittelt. In den fünf sportfreien Tagen nach Roth reifte der Entschluss, beim Knappenman XXL zu starten, ohne dogmatische Zielsetzung. Ich wollte auch mal eine Wettkampfstrategie anwenden bzw. ausprobieren. Mit der Anmeldung ließ ich mir bis eine Woche vor dem Wettkampf Zeit. Ich wollte erst mal abwarten, wie sich das Training bis dahin entwickelt. Am Wochenende nach Roth stieg ich wieder in Training ein. Die erste Woche war noch locker und von vergleichsweise geringem Umfang geprägt. Danach folgten zwei Wochen Urlaub an der Ostsee, in den ich umfangreich und intensiv trainieren konnte. Alle drei Tage legte ich einen Ruhetag ein, was wohl auch dazu beitrug, dass ich durchweg positive Signale von meinem Körper bekam. Die letzten beiden Wochen vor dem Knappenman trainierte ich weniger als in den beiden Wochen vor Roth, um besser zu regenerieren.  Nach Roth habe ich kleine Änderungen an meiner Sitzposition vorgenommen: Sattel knapp 4mm nach vorn geschoben und damit alles ausgereizt was geht, Sitzhöhe ca. 1mm erhöht, Auflieger um ca. 1cm nach innen und unten versetzt, beim Fahren weiter vorn auf bzw. kurz hinter der Sattelspitze gesessen. Es fühlte sich schon im Training besser an.

Freitag fuhr ich gemeinsam mit Andre Berthel nach Lohsa. Bei der Abholung der Startunterlagen gab es eine kleine Überraschung.  Auf der Radstrecke sollten keine Gels gereicht werden, dafür konnte sich jeder Langdistanzler fünf Gels und zwei Riegel aus den bereitgestellten Kisten entnehmen. Riegel bekomme ich im Wettkampf nicht runter bzw. es dauert viel zu lange und mit fünf Gels würde ich kaum die halbe Distanz schaffen. Freundlicherweise stellte es kein Problem dar, dass ich mir die benötigte Anzahl Gels nehmen durfte. Abend füllte ich eine Trinkflasche mit den Gels voll, welche die Energieversorgung für die 180km Rad am kommenden Tag sichern sollte. Ichschlief schnell ein und bis 5.00 Uhr gut, was vor Langdistanzen bei mir nicht selbstverständlich ist. Das zeigt aber auch, dass ich entspannt in den Wettkampf ging.

7.00 Uhr fiel der Startschuss am Dreiweibener See und ca. 50 Langdistanzler und Staffelschwimmer  stürzten sich in das glatte Wasser. Für das Schwimmen hatte ich mir vorgenommen, gemäßigt zu beginnen. Das klappte auch ganz gut und das überschaubare Feld zog sich auch fix in die Länge. Ich bekam ein gutes Schwimmgefühl. Nach der ersten Runde folgte ein kurzer Landgang. Der unterbrach meinen Rhythmus, den ich aber schnell wiederfand. In der zweiten Runde bemühte ich mich, das Tempo zu halten bzw. sogar etwas zu steigern. Gefühl immer noch gut und ich fühlte mich auch noch nicht am Limit. Ca. 500m vor dem Schwimmausstieg fingen die Waden an zu zucken und ungefähr 200m später krampfte erst die eine Wade und etwas später die andere und stärker.  Allerdings konnte mich das so kurz vor dem Ende der Schwimmstrecke nicht mehr beeinträchtigen. So gut ist der Schwimmteil schon ewig nicht mehr gelaufen. Wieder festen Boden unter den Füßen schaute ich auf meine Uhr und stellte mit Befriedigung 1h6min fest. Der Wechsel aufs Rad ging auch flott von statten. Die Strategie für den Radteil bestand darin, die ersten drei Runden Zurückhaltung zu üben und dann die Belastung zu erhöhen. Die erste Runde rollte es von fast von allein. Ich strengte mich kaum an und zügelte mich immer wieder, um meinen Puls nach unten zu bekommen. Da es anfangs noch etwas regnete und die Luft sehr feucht war, beschlug auch mein Helmvisier. Da die Strecke unbekannt und nass war, fuhr ich manche Stellen vorsichtiger als notwendig. Insgesamt ist es eine sehr gut und flüssig zu fahrende Runde. Der langsamste Abschnitt ist die Wendeschleife im Start-Ziel-Bereich. Hier, somit alle 30km, wurden Flaschen gereicht. In der ersten zwei Runden waren die kleinen Flaschen bei weitem nicht voll, so dass ich weniger trinken konnte als gewollt. Der Regen hörte auf, das Wetter wurde besser. Anfangs war es schön frisch. Relativ schnell konnte ich Torsten Pawel und etwas später Martin Koch überholen. Nach der zweiten Runde rief mir Andre zu, dass ich in Führung liege. Die ersten drei Runden konnte ich relativ konstant mit reichlich 45min je Runde abspulen, wobei ich mich mit abnehmender Tendenz noch zurückhielt. Das Rennen machte tatsächlich Spaß. Ich nahm an der Wendeschleife wahr, dass mir ein Fahrer relativ konstant mit geschätztem Abstand von ca. 1-2min folgte. An der Verpflegungsstation steckte ich eine Flasche in den Flaschenhalter und aus einer nahm ich paar tiefe Züge. Ab der vierten Runde begann ich mich anzustrengen und bemühte mich den Puls zu halten. Wenn ich das Tempo weitestgehend halten konnte sollte eine Zwischenzeit herauskommen, die mit einem soliden Lauf die SUB-9 ermöglichte. Ungefähr ab hier reifte dieses Ziel für diesen Tag. In Runde fünf und sechs fuhr ich mit der höchsten gefühlten Belastung, wobei ich Puls und Tempo nicht ganz halten konnte. Allerdings war der Verlauf meiner Pulskurve wesentlich weniger abfallend als in Roth. Die Halbdistanzler kamen nun mit auf die Radstrecke und schafften etwas Abwechslung. Ich hatte das Gefühl, das der von mir ausgemachte Kontrahent in den letzten zwei Runden näher kam. Ca. 10-15km vor dem Ende des Radabschnitts war mein Vorrat an Gel aufgebraucht. Flüssigkeit hatte ich auch keine mehr, da der Flaschendeckel bei der Übergabe aufgegangen ist, so dass ich nur eine halb gefüllte kleine Flasche mit auf die letzten 30km nehmen konnte. Nach reichlich 4h36min konnte ich mein Rad abstellen und in die Laufschuh wechseln. Der Lauf begann mit Krämpfen in beiden Quadrizeps, die mich auf den ersten 1,5km begleiteten.  Danach fand ich einen guten Laufstil mit gutem Tempo. Die Helfer an den Verpflegungsständen waren noch nicht richtig in Schwung gekommen, mehr als einen Becher zu trinken trauten sie mir nicht zu. Mein Ruf nach Gel wurde enttäuscht, „haben wir nicht“ war die Antwort. Es gab vier Verpflegungsstände, wobei  einer auf einem Wendepunktabschnitt stand. Das war völlig ausreichend. Aber erst beim vierten Verpflegungsstand, also nach 10,5km im Start-Ziel-Bereich bekam ich Gel. Meine geplante Verpflegungsstrategie war im Eimer. Auf dem Wendepunktabschnitt konnte ich meinen Verfolger von der Radstrecke sehen, mit geschätzten 400-500m Rückstand. Das Wetter war inzwischen auch schön und sommerlich warm. Die erste Runde versuchte ich mit Cola und Iso zu überstehen. Allerdings ist ein Becherchen je Station für mich zu wenig. Als ich nach der ersten Runde, die ich gut 45min absolvierte, ein Gel ergatterte, bekam ich keine Flüssigkeit. Trotzdem hatte ich die zweite Runde reichlich nach 1h31min geschafft. Nun schnappte ich mir zwei Gels, eines für die sofortige Einnahme und eines für die Runde. Die Beine wurden schwerer. Ab jetzt musste der Kopf mehr arbeiten als die Beine. Mitte der dritten Laufrunde setzten erste Krämpfe in den Beinbeugern ein. Ich musste kurzzeitig gehen. Ich war noch nie so nah dran an der Sub-9. Die Bedingungen in Roth waren bedeutend schlechter als an diesem Tag. Wenn nicht heute, wann dann? Ich hatte auch noch Reserve in der Zeit. Auch die Platzierung war mir relativ egal. Klar, ein Sieg wäre das i-Tüpfelchen, jedoch wichtig war mir die Zeit. Es ging weiter. Am Wendepunkt konnte ich feststellen, dass sich der Abstand zu meinem Verfolger kaum verändert hatte. Für die dritte Runde benötigte ich ca. 48min. Selbst mit weiter abfallendem Tempo hatte ich noch Luft für die Sub-9. Die letzte Runde begann mit Krämpfen in den Beinbeugern und einer kurzen Gehpause. Jede Nahrungsaufnahme war schon seit einer Runde mit Würgereiz verbunden, bei dem es zum Glück blieb. Durch die Halbdistanzler war gut Bewegung auf der Strecke. Die Helfer an den Verpflegungsstellen hatten sich inzwischen eingespielt.  Jetzt wurde meine Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht mehr durch das Angebot, sondern meinen Verdauungstrakt limitiert. Nochmal musste ich wegen Krämpfen eine kurze Gehpause einlegen.  Am Wendepunkt hatte sich der Abstand zu meinem Verfolger nicht verändert. Er klatschte mich ab und rief mir zu, ich solle durchhalten. Das fand ich sehr sportlich. Es waren noch ca. 5km. Wenn nichts dramatisches mehr passiert, sollte die Zeit als auch der Sieg zu schaffen sein. Ich gab nochmal alles was nicht mehr da war. Nach 8:56:57 überging ich die erlösende Ziellinie,  glücklich und platt. Fast immer fragte ich mich während der letzten Langdistanzen, warum ich mir das antue. An diesem Tag habe ich es kein einziges Mal gedacht.

Schwimmen: 1:07:06
Rad:  4:36:24
Lauf:    3:13:27
Gesamt: 8:56:57   

   

                       

Sub-9