Thomas Jänsch - Triathlon


Ironman 70.3. European Championship Wiesbaden


Im Januar 2013 meldete ich mich zum Ironman 70.3. Wiesbaden an. Ausschlaggebend dafür waren potentielle 2-3 Slots für die Weltmeisterschaft in Kona/Hawaii. Mir war klar, dass es weder die ideale Distanz noch das ideale Streckenprofil für mich ist. Weiterhin war zu erwarten, dass bei einer Europameisterschaft die richtig guten Athleten an der Startlinie stehen. Ich habe immer gesagt, wenn ich mich auf so einer Strecke qualifiziere, dann kann ich auch mit gutem Gewissen nach Hawaii fliegen. Jedenfalls war ich Ende Januar hoch motiviert, auch weil das Training in den vier Monaten davor gut lief. Ich war zu motiviert, habe übertrieben und ab Ende Februar permanent mit überlastungsbedingten Verletzungsproblemen zu tun gehabt. In der Folge fehlten die notwendigen Laufkilometer und Intensitäten für eine optimale Vorbereitung. Meine Lauffähigkeit entsprach nicht meiner Zielstellung. Im Schwimmen habe ich mich verbessert, wenn ich auch noch nicht dort bin, wo ich hin will. Aber es ist eben schwer, in 45 Jahre alten Synapsen neue Verbindungen zu aktivieren. Die 8 Wochen Training vor dem Wettkampf verliefen fast planmäßig. Ich fühlte mich gut vorbereitet, aber nicht optimal. Ein Detail zum Beispiel war, dass die Kochkünste meiner Frau verhinderten, dass ich mein avisiertes Gewicht für diesen Wettkampf erreichte. Ziel war für mich eine Zeit unter 4h45min. Im Vorjahr hätte das für den Altersklassensieg gereicht. Das es in diesem Jahr für einen Qualiplatz reichen würde, war zu bezweifeln.

In der Nacht vom Freitag zum Samstag kam ich aus dem Urlaub nach Hause zurück. Nach paar Stunden Schlaf packte ich Samstagmorgen meine Sachen und fuhr mit Robin Duha und Alexander Kunze nach Wiesbaden. Robin startete ebenfalls, Alex wollte sich das Schauspiel ansehen. Über die Autofahrt und der zeitnah nach unserer Ankunft stattfindenden Wettkampfbesprechung aß ich fast nichts und trank auch zu wenig. Am späten Nachmittag fuhren wir mit dem Auto zum Startbereich am Raunheimer Waldsee. Nachdem ich mit Robin paar Meter mit dem Rad gefahren war, checkten wir diese ein und schwammen noch kurz im See. Die 14 Tage im Urlaub bin ich noch mit meinem alten Neo geschwommen, so dass ich den neuen Neo, von „aquaman“ und „triathlon.de“ gesponsert, wenigsten kurz im Wasser und am Körper haben wollte. Wasser und Wetter waren gut, Schwimmen fühlte sich auch gut an, alles fein. Am Abend verdrückte ich eine Pizza und versuchte, ab 22.30 Uhr in den Schlaf zu kommen. 4.00 Uhr weckte ich auf und konnte dann auch nicht mehr einschlafen. 5.30 Uhr fuhren wir vom Hotel nach Wiesbaden, stellten das Auto in der Tiefgarage ab und wurden mit den Bussen zum Startort gefahren. Da Robin eine halbe Stunde vor mir startete, die Starts erfolgten in Wellen, hatte ich genügend Zeit mich vorzubereiten und die Profis zu beobachten, wie sie nach dem Schwimmen zu ihren Rädern liefen. Da ich diese Spitzensportler erstmalig live sah, fielen mir am meisten die zierlichen Figuren auf. Auf Bildern und im TV ist das nicht so deutlich.

8.25 Uhr fiel mein Startschuss für den Wasserstart. Ich hatte mir vorgenommen, nicht gleich volle Kanne loszuschwimmen. Einerseits war ich mir nach den Erlebnissen auf der Schwimmstrecke in Moritzburg etwas unsicher, anderseits hatte ich nach wie vor Probleme mit meinem lädierten Finger von meinem Radsturz vor drei Wochen und wollte Kontakt mit dem Finger vermeiden. Es gab kaum Rangeleien im Wasser, dank der Startwellen. In meiner Altersklasse und Welle waren ca. 300 Athleten am Start. Ich hatte nach wenigen Metern ein gutes Schwimmgefühl und auch eine stabile Position im Feld. Ich achtete immer auf genügend Abstand meiner rechten Hand zu anderen Schwimmern, Wasserschatten war nicht mein Ziel. Nach 800 m absolvierten wir einen kurzen Landgang. Leider konnte ich an den zwei Wendebojen schmerzhaften Fremdkontakt zum Finger nicht vermeiden. Nach weiteren 1100 m, 31min 43s  insgesamt und 78. meiner Altersklasse hatte ich wieder Sand unter den Füßen. Das Tempo hätte ich auch die doppelte Strecke schwimmen können, so dass ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Ich nahm meinen Wechselbeutel, stopfte den Neo hinein und rannte zum Rad. Helm und Startnummerband hatte ich an diesem deponiert, die Schuhe waren eingeklickt. Nach dem Wechsel, der zügig verlief, ging es zunächst winklig durch Raunheim. Von Beginn an überholte ich, was permanent bis zum Schluss so bleiben sollte. Vor mir waren um die 1700 Athleten in den Wellen gestartet. Nach der AK 45 kamen noch die AK 40 und die Staffeln. Die Radstrecke ist zu Beginn flach bis wellig, ich kam zügig voran. Bis zur ersten Verpflegungsstation nahm ich zwei Gels zu mir und trank schon frühzeitig meine mitgenommene Radflasche leer. Die Entfernung der Verpflegungsstationen habe ich falsch eingeschätzt und hätte eine Flasche mehr mitnehmen sollen. Die Straßen waren zum Teil schmal und mit schlechtem Belag. Auf den abschüssigen Abschnitten hatte ich zu tun, den rechten Ringfinger abzuspreizen und trotzdem den Lenker festzuhalten. Dabei verursachten die Erschütterungen deutliche Schmerzen im Finger. Nach 30 km dachte ich mir, wann es denn nun mal richtig hoch geht. Schließlich sollten ca. 1500 Höhenmeter auf der Radstrecke zu bewältigen sein. Bei Kilometer 38 kam die Antwort, der längste Anstieg der Strecke, ca. 350 Hm auf 5 km. Danach ging es immer mal ordentlich hoch und runter, aber man kann auch viel Schwung aus den Abfahrten in die Anstiege mitnehmen. Die zweite und dritte Verpflegungsstation fuhr ich schon recht trocken an, da die Flaschen nicht voll waren. Ich trank viel zu wenig. Salz fehlte mir auch, dass hatte ich vergessen zu Hause einzupacken. Offen gestanden habe ich dessen Bedeutung für die Mitteldistanz auch unterschätz, sonst hätte ich mir noch etwas Salz in Wiesbaden gekauft. Jedenfalls fingen die Oberschenkel nach ca. 55 km an, Krampfanzeichen zu senden. Dem geschuldet konnte ich die Anstiege nicht mehr voll fahren, sonst wären die Beine fest gegangen. Druck war noch da, aber ich konnte ihn nicht entfalten sondern nur verwalten. Die Radstrecke endete mit einer rasanten Abfahrt, in der ich knappe 90 km/h erreichte. Insgesamt fuhr sich die Radstrecke besser, als es die 1500 Höhenmeter auf dem Papier verheißen. Ich benötigte 2h 46min 01s für die 90 km, und konnte mich auf der Radstrecke auf Rang 25 meiner Altersklasse vorarbeiten. Mit richtiger Verpflegung und ohne schmerzenden Finger wären bestimmt 5min weniger möglich gewesen. Im Wechselbereich fand ich meinen Startnummernbereich nicht sofort und stand etwas ratlos beim Suchen rum. Glücklicherweise bemerkte das ein Helfer und unterstützte mich, so dass sich der Zeitverlust in Grenzen hielt. Die letzten 10-15 km bin ich trocken auf dem Rad gefahren. Gleich zu Beginn der Laufstrecke hatte ich starke Krämpfe in beiden vorderen Oberschenkeln. So lief ich die ersten ein bis zwei Kilometer mit festen Beinen. Ich bemühte mich, an den Verpflegungsstationen 2-3 Becher zu erwischen und schnappte mir an jeder der zwei Stationen je 5km-Runde  Salz. Ich bekam die Beine etwas locker. Die Laufrunde verlief im ersten Teil leicht aufwärts, im zweiten rückwärtigen Teil abwärts. Nicht viel, es waren 125 Hm auf die 21,2 km gesamt. Auf dem aufsteigenden Abschnitt limitierten mich die muskulären Probleme meiner Oberschenkel. Ich wollte schneller laufen, aber sobald ich das versuchte, gingen die Beinstrecker fest. Gegen Ende des aufwärts führenden Abschnittes musste ich in Runde zwei und vier kurz anhalten und gehen, da ich im rechten Beinbeuger einen Krampf bekam. Im abwärts verlaufenden Abschnitt konnte ich relativ flüssig laufen. Unter diesen Umständen ist die benötigte Zeit von 1h 29min 53s noch ganz in Ordnung. Trotz allem konnte ich beim Laufen noch 3 Plätze gut machen. Ohne Krämpfe wären bestimmt zwei Minuten weniger drin gewesen.

Unter all den Umständen in der Vorbereitung und am Wettkampftag, bin ich mit der Gesamtzeit von 4h 52min 40s noch ganz zufrieden. Rang 22 in der Alterklasse zeigt, wie  erstklassig das Rennen besetzt war. Ich habe wieder dazugelernt, meine Baustellen kenne ich.